Rückkopplung

Das neuronale Netz des menschlichen Gehirns verknüpft und verarbeitet Informationen. Die aufgenommenen Informationen werden nicht nacheinander verarbeitet – wie in einem klassischen Computerprogramm –, sondern parallel, in einem Netzwerk. Zu einer solchen simultanen Verarbeitung waren Computerprozessoren ursprünglich nicht imstande, dies hat sich mit der Entwicklung computerbasierter »Deep Neural Networks« verändert.

Mit der Etablierung des Web 2.0 ist das World Wide Web in den 1990er Jahren erstmals interaktiv geworden. Netzwerke sind dadurch kein rein neurowissenschaftliches beziehungsweise biologisches Untersuchungsobjekt mehr, sondern etablieren sich als medienbasierte Phänomene, die zunehmend den neuronalen Netzwerken des menschlichen Gehirns ähneln. Bei einem Netzwerk, verstanden als spezifisches Set an Verlinkungen zwischen einem definierten Set an Akteuren, kann es sich also um ein menschliches Gehirn handeln, um ein Personennetzwerk oder eine Online-Plattform. Wie könnte eine Verbildlichung dieser unterschiedlichen Auffassungen von Netzwerken aussehen?

Bei »Style Transfer« (Boris Neubert, Chengzhi Wu, Max Piochowiak) wird eine Interaktion zwischen den Betrachtenden, einem vorprogrammierten und vortrainierten Netzwerk, einer Kamera und einer vordefinierten Bildvorgabe auf einem Monitor veranschaulicht. Das Ergebnis sind nicht-fotorealistische Bilder, die gleichzeitig ein Spiegelbild der Person vor dem Monitor, wie auch eine medienbasierte Abwandlung in Kombination mit definierten (Kunst-)Muster sind.

Das bedeutet, dass eine Kamera auf Basis des maschinellen Sehens und der Bildverarbeitung, auf Basis neuronaler und algorithmischer Programmierung im Stande ist, ein neues Produkt zu erzeugen, das auf einem Monitor dargestellt wird.

»Style Transfer« kann als eine Art Versinnbildlichung der aktuellen Medienentwicklung interpretiert werden. Mit der Entwicklung des Internets, wie auch computerbasierter Medien(-plattformen) ist nicht nur die Forschung mit und um algorithmische und computerbasierte Neuronalforschung intensiviert worden, sondern auch die Anreicherung von Daten hat sich erhöht. Nicht umsonst ist „Big Data“ zu einem der prägendsten Buzzwords des 21.Jahrhunderts geworden.

Der Mensch hinterlässt unvermeidbar Datenspuren im Internet, die wiederum erfasst, gespeichert und analysiert werden. Eine Zirkulation von menschenerzeugten Daten und autonomen Kybernetik-Systemen sorgt dafür, dass Menschen nicht mehr unabhängig kontrollierende Akteure sind, sondern auch algorithmische Anwendungen an Bedeutung gewinnen.

»Style Transfer« scheint genau diese Kollaboration zwischen dem Menschen, der
medienbasierten Technik und der algorithmischen Entwicklung zu sein. Die
Kunstteilnehmenden interagieren mit der Technik und werden dadurch Teil einer Produktion spiegelähnlicher Produkte, die auf Basis algorithmischer Programmierung neue Ergebnisse erzeugen. Es ist der Transfer eines realistischen Bilds in ein technisches Produkt und steht damit für aktuelle Technikentwicklung.

Es erscheint heute unmöglich, keine Daten in das computerbasierte Internet einzuspeise.Daten, die zu technischen Innovationen und Entwicklungen führen, unser Selbst beeinflussen und verändern. Als Impulsgeber und Initiator hat der Mensch an Innovationen geforscht, die nun zunehmend – als Rückkopplung – Einfluss auf den Menschen nehmen.

von Julian-Fabio Panconcelli-Calzia

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