Simulation und statischer Raum

Der Quellcode verweist auf den Raum als statisches Gebilde. Architekt*innen nutzen diese Form der Raumkodierung, um Innenräume in ihrer geometrischen Formation zu beschreiben und zu simulieren. Die Simulation entspricht dabei nicht dem sich darstellenden tatsächlichen Raum. Der virtuell simulierte Raum ist kein real existierender Raum. Der simulierte Raum ist Abbild des mathematischen Codes, der schon im Moment des Eintretens in den Raum durch die Besuchenden die Variable der Eintretenden missachtet. Die den Raum Besuchenden verändern durch ihre Aktivität im Raum den Code andauernd. Die Statik des Raumcodes verweist auf das durch die geometrische Form des Raums geprägte euklidische Denken.

DURCH DEN RAUM BEWEGEN

In Bewegung sind dabei nur die zu Bewegung fähigen Objekte. Der Raum selbst erscheint statisch. Ein festgesetzter Code in einem Computerprogramm, der eine beliebige Reproduktion zulässt. Der von den Architekt*innen geschriebene Code enthält lediglich diese Statik, selbst wenn eine Veränderung des Codes möglich erscheint. Als belebter Raum bildet der geschriebene Code den entstehenden Raum nicht mehr ab.

RAUM BEWEGEN

Der Code als Text hat nicht die Eigenschaft der Relationalität. In jedem Moment lassen wir den Raum neu entstehen. Der geschriebene Code des Raums ist demnach kein Abbild des Raums selbst, sondern führt uns vor Augen, wie wir über Räume denken. Architekt*innen sind gezwungen, Räume anzuhalten, um diese als euklidische Räume beschreiben zu können. Raum selbst ist immer in Veränderung und in Bewegung. Der mathematische Raumcode kann nur die Beschreibung eines Raummoments erheben. Der geschriebene Code ist für die Besuchenden weder erleb- noch sichtbar. Erlebt wird der relationale Raum, der Raum in Bewegung, der sicht- und hörbare Raum in der Perspektivität der Betrachtenden, der selbst Raum wahrnehmend und Raum produzierend zugleich ist.

RAUMÄSTHETIK

Der bewegte Raum ist in seinen Momenten mathematisch abbildbar und in einem
sich verändernden Code beschreibbar. Das Erleben des Raums als atmosphärische
Entität, die sich aus dessen sinnlicher Wahrnehmung relational konstituiert, ist ein
Code, der nicht mathematisch – und auch nicht durch einen XML-SVG-Code –
beschrieben werden kann. Der Raum ist in den mathematischen Code übersetzbar.
Unser Denken ist von diesem Vorgang geprägt. Das Erleben eines Raummoments
ist ein dem Mathematischen fremder Code. Die Ästhetik des Raums bedarf einer
anderen Verschriftlichung.

von Jonas Ehret

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