Open Codes?

»Aufklärung – ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.« (Kant)

Immer dichter rücken technische Geräte an den Körper heran, nehmen Daten vom Körper ab, lassen private Daten zu maschinellen, für uns nur eingeschränkt verständlichen Codes werden. Permanent erstellen und erweitern wir digitale Profile unserer selbst. Leichtsinnig liefern wir unsere Daten an die großen Tech-Konzerne ohne eine angemessen Gegenleistung einzufordern. Was sind uns unsere Daten wert?

»Es ist so bequem, unmündig zu sein.« (Kant)

Beim Exponat »Style Transfer« (Boris Neubert, Chengzhi Wu, Max Piochowiak) tritt uns ein digitales Selbstbild entgegen. Durch eine Webcam erfasst uns die Maschine und produziert durch Algorithmen eine neues Bild. Die spielerische Ästhetik verschiedener Filter, wie wir sie von Bildbearbeitungsprogrammen kennen, reflektiert den Umgang mit unserem digitalen Profil.

Codes erzeugen ein neues Selbstbild. Bildschirme werden zu permanenten Spiegeln. Spiegel, die sich ständig wandeln und unsere Geschichten erzählen. Sind es Algorithmen, die unsere Geschichten schreiben?

»Das Adjektiv modern beschreibt keine zunehmende Distanz zwischen Gesellschaft und Technik oder gar ihre Entfremdung, sondern eine tiefere Intimität, ein engmaschigeres Netz zwischen beiden« (Bruno Latour)

Wir verlieren durch die Kopplung an digitale Profile Handlungsfähigkeit. Die Sprache der Maschinen ist uns fremd geworden – Eine Sprache, die wir nicht sprechen. Eine Übersetzung ist unumgänglich. Smartphones werden zu ständigen Übersetzern digitaler Codes. Wer verlässt das Haus ohne Smartphone? Mensch und Maschine bilden ein dichtes Netzwerk wechselseitiger Abhängigkeiten. Maschinen werden zu selbstständigen Akteuren. Sie kontrollieren uns und sind zugleich nicht vollständig kontrollierbar – das Smartphone als Blackbox.

»Daß die Menschen, wie die Sachen jetzt stehen, im ganzen genommen, schon imstande wären […] sich ihrer eigenen Verstandes ohne Leitung eines andern sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel.« (Kant)

Die Sprache der Maschinen (Codes) sollte für uns keine Fremdsprache sein. In der Ausstellung werden verschiedene Exponate gezeigt, die für uns fremde Codes erfahrbar machen und übersetzen. Ermöglicht die Übersetzung digitaler Codes in eine uns bekannte Sprache ein Verständnis des Digitalen? Wie können Kants Formulierungen über die Aufklärung heute gedacht werden?

von Jonas Ehret, Julian Obertopp und Liane Schlumberger

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