Abbilder

Beim Alphabet Space (Adam Słowik, Christian Lölkes und Peter Weibel) geht es vordergründig um das Abbild des Kunstgegenstands, und nicht um den Gegenstand selbst. Die Reflektion oder der Schatten des Moduls ist mehr Gegenstand als physisches Objekt, das in den Händen gehalten werden kann. Die verschiedenen Abbilder des Moduls können als Buchstaben gelesen und aus diesen Sätze und Sinn erzeugt werden. Als Betrachter*in des Kunstwerks ist man fokussiert auf das Abbild, die Blicke werden auf die das Abbild tragende Wand gezogen. Die Betrachtenden interagieren mit dem Modul, gleichzeitig sind sie simple Betrachtende, die den Schatten des Gegenstands verarbeiten und in Zusammenarbeit mit dem Programm interpretieren. Der Schatten oder das Abbild des Moduls verlangt Aufmerksamkeit, und so sind die Betrachtenden im Bann des Schattens und wissen sich von ihm nicht zu lösen. Sie lesen: A – B – C, langsam und beständig. Sie fangen an, Tongefäße und Menschen in den Schatten zu sehen, in denen sich Welten offenbaren – Welten, die nur in ihrer Schemenhaftigkeit existieren und ihre eigene Wahrheit propagieren. Diese Wahrheit erhebt sich über diejenige des Moduls selbst und dessen Voraussetzungen, die das Abbild erst produzieren. Im Schatten ist mehr Gegenstand und Wahrheit als irgendwo anders im Ausstellungsraum und alle, die sich nun von diesen Umständen zu lösen vermögen, laufen Gefahr, sich selbst und ihre Welt zu verlieren und der Welt der Ideen zu verfallen, welche sich nun falscher als alles andere anfühlt. Die Betrachtenden fühlen nur noch die Schemen und das Modul in ihren Händen, das an sich keine Realität oder Objekthaftigkeit besitzt, wie sie nun zu erkennen beginnen.

von Neele Remmers

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